Chronik

Chronik des Garde-Korps Köln

Chronik 1928 – 2018

90 Jahre im Leben einer Karnevalsgesellschaft bedeuten nicht nur Tradition, sondern auch eine Verpflichtung für die Zukunft. Die Vereinschronik der 1. Zündorfer Narrenzunft wird jetzt als Garde-Korps Köln, KG „Blau-Weiß Zündorf“ von 1928 e.V. fortgeschrieben. Der Weg mit all seinen Höhen und Tiefen war dabei manchmal holprig. Zeitzeugen von einst sind leider nicht mehr präsent. So müssen alte Protokollbücher das hergeben, was der Chronist lebendige Einblicke nennt.

Am Anfang blieb Platz 22 leer

Die Gründung der Gesellschaft begann mit einer Kuriosität. 27 Mitglieder hatten sich an einem ganz normalen Werktag, einem Donnerstag, den 27. Januar 1928, eingefunden. In der Anwesenheitsliste waren aber 28 Positionen belegt. Bei genauerem Hinsehen blieb die 22. Zeile unausgefüllt. Ein Schelm, wer Trickreiches dabei vermutet: Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn im Gründungsjahr 1928 genau 28 Personen die KG aus der Taufe gehoben hätten. So begründeten also vor 80 Jahren diese 27 Männer, den von nun an organisierten Karneval in Zündorf.

Und sie gingen gründlich ans Werk. Mit Akribie und Sachverstand gab man sich „Statuten“, legte den Beitrag fest, wählte einen Vorstand und fand gleich auch einen Namen:

„1. Zündorfer Narrenzunft Blau-Weiß“.

Mitglied konnte demnach „jeder moralisch und sittlich Gutstehende” werden, der das 18. Lebensjahr überschritten hat“ und bereit war, den monatlichen Beitrag von einer halben Mark für aktive und einer Mark für inaktive Mitglieder zu entrichten. Schon 
damals dachten die Väter der 1. Zündorfer Narrenzunft auch daran, dass der eine oder andere Jecke einmal klamm werden könnte. So legten sie gleich fest: “Wer drei Monate mit seinem Beitrag zurück ist, wird aus der Gesellschaft ausgeschlossen.“

Weitblick zeigten die Gründer bei der Definition ihrer Ziele: „Gründungszweck ist, den alten rheinischen Karneval in seiner urwüchsigen Art wieder herzustellen und jede falsche Abzweigung zu bekämpfen.”

Das Protokollbuch von 1928 hält auch gleich einen Vorstand fest. Ihm gehörten Peter Lindenstock, Nicolaus Büll, August Braun und Mathias Bädorf an. “Sollen wir in diesem Jahr noch an die Öffentlichkeit treten?”, fragten sich die Gründer. Immerhin war es kurz vor Karneval. In der Euphorie der Gründungsstunde wagte sich die junge Narrenzunft an dieses – nicht nur für damalige Verhältnisse – kühne Abenteuer. Am 5. Februar1928 fand tatsächlich die erste Sitzung der Gesellschaft statt. Und die Macher hatten Erfolg, jedenfalls notierte Schriftführer Mathias Bädorf in sein Protokoll: “Das Ergebnis war sehr befriedigend – nicht zuletzt auch Dank der guten Sitzungsleitung durch Präsident August Braun, der gleich bei seiner ersten Karnevalssitzung zu überzeugen wusste.”

Dieser Erfolg muss die junge KG beflügelt haben, denn noch keine vier Wochen später wagte sie sich dann am 21. Februar 1928 bereits an den „Karnevalsball“ zum Ausklang der tollen Tage auf Karnevalsdienstag. Im Protokollbuch ist sogar ein eigener Prinz erwähnt: „Lorenz I.” Die KG war damit auf dem richtigen Weg.

Aufbaujahre mit einem Matrosenkorps

Die 1. Zündorfer Narrenzunft Blau-Weiß schritt nach dem fulminanten Start zwar gut weiter, kämpfte aber auch mit Problemen wie sie andere junge Vereine bereits durchgemacht hatten: Mal waren es Beitragsrückstände, die zu beklagen waren, mal war es die mangelhafte Beteiligung der Mitglieder an den Versammlungen. Aber auch diese Klippen nahm die junge KG erfolgreich. Als Vorsitzender agierte ab 1934 Fritz Burken. Im gleichen Jahr wurde das „Blau-Weiße Matrosenkorps“ gegründet. Damit war die langjährige Tradition einer Korps-Gesellschaft begründet. Zunehmend organisierte man jetzt auch Veranstaltungen außerhalb des Karnevals.

So wurden beispielsweise Maifeste veranstaltet, zu denen man „alle Junggesellen von Zündorf” einlud. Es findet sich zwar kein Protokoll mehr, aber in dieser Zeit muss auch die Umbenennung in KG „Blau-Weiß Zündorf““ stattgefunden haben. In alten Protokollen ist auch die Rede von Winzerfesten, Blumenfesten im Juli und Oktoberfesten im Herbst, die alle gut besucht und „zur Zufriedenheit aller Teilnehmer ausgeführt“ wurden. Für interne Veranstaltungen rief man eine sogenannte „Vergnügungskasse“ ins Leben, um beispielsweise die alljährliche „Fahrt ins Blaue“ durchführen zu können. Mittelpunkt blieben aber die Sitzungsveranstaltungen, die großen Erfolg hatten. Bereits in den 30er Jahren begründete die KG die Tradition der „Dienstagssitzung“, womit dann regelmässig zwei Sitzungen pro Session durchgeführt wurden.

Die junge Gesellschaft entwickelte sich hervorragend, bis der Zweite Weltkrieg dem närrischen Treiben ein jähes Ende setzte. Nachdem ab 1940 keine Sitzung mehr stattfand, herrschte für einige Jahre Funkstille.

Wiederaufbau in schwieriger Zeit

Am 1. August 1948 rief Vorsitzender Fritz Burken die „Blau-Weißen“ wieder zusammen, „damit die Gesellschaft mal wieder in Tritt kommt“ – so jedenfalls der damalige Schriftführer Johann Boxberg im Protokollbuch. Tatkräftig steckte sich die KG neue Ziele. Zur Zündorfer Großkirmes bot man eine gut besuchte Tanzveranstaltung an. Einmal mehr bewiesen die Mitglieder Weitsicht. Sie legten nämlich fest: „Mit der Aufnahme neuer Mitglieder soll vorsichtig zu Werke gegangen werden. Es sollen nur Mitglieder aufgenommen werden, die sich aktiv an dem Aufbau der Gesellschaft betätigen können.” Eine Entscheidung, die sich bis in die heutige Zeit der KG bewährt hat.

Der Neuaufbau machte auch eine neue Satzung erforderlich, die 1949 verabschiedet wurde. Sie legt unter anderem in Artikel 9 fest, dass bei unentschuldigtem Fernbleiben auf den Versammlungen eine Strafe in Höhe eines Monatsbeitrages zu zahlen war. Mit allen Kräften konzentrierten sich die Blau-Weißen auf den Karneval.

 

Am 6. und 24. Februar 1949 wurden die ersten Sitzungen nach dem Krieg mit Erfolg durchgeführt, die letztgenannte an Weiberfastnacht unter aktiver Beteiligung der „Blau-Weißen“ Frauen. In diesen schweren Zeiten hatten die Menschen sicherlich einen großen Nachholbedarf in Sachen „Fastelovend“. Deshalb bot die KG am 27. Februar und am 1. März 1949 gleich noch zwei Maskenbälle an. Doch damit nicht genug. Im gleichen Jahr startet die KG auch den Wiederaufbau eines Tanzkorps. Allerdings wollte man nicht mehr ein Matrosenkorps, sondern ein richtiges Funkenkorps auf die Beine stellen. Unter der Zündorfer Jugend wurde kräftig die Werbetrommel gerührt, und so fanden sich auf einen Schlag gleich zehn junge Männer für das Tanzkorps.

Das neue Korps zeigte sich während der Zündorfer Großkirmes am 12. September 1949, auf der es laut Protokoll einen „Einweihungstanz“ (allerdings noch ohne Funkenuniformen) zum Besten gab. Aber zunächst galt es, einen Tanzlehrer zu verpflichten, die Uniformen zu schneidern und die „Tschakos“ anzufertigen. Und natürlich brauchte jeder Gardist auch „en Knabüß”. Dies alles wurde in Eigenregie hergestellt. Besonders die Anfertigung der Uniformen war zur damaligen Zeit nicht ohne Schwierigkeiten möglich. Aber Dank des Einsatz von Schneider Jakob Heller waren diese dann doch rechtzeitig zum ersten Auftritt des Blau-Weißen Funkenkorps auf der eigenen Sitzung am 15. Januar 1950 fertig. Erster Kommandant des Korps war Otto Krämer, ihm folgte noch im gleichen Jahr Jakob Heller. Im Januar 1952 legte der 1. Vorsitzende Fritz Burken sein Amt nieder und wurde durch den bisherigen Beisitzer Franz Feldenkirchen ersetzt.

Eine Fahne zum ersten Jubiläum – 25 Jahre

1953 dann feierte die Gesellschaft ihr erstes Jubiläum, nämlich ihr 25-jähriges Bestehen. Heinrich Priester, der seit 1950 die Sitzungen der Gesellschaft als Präsident leitete, regierte als Prinz Heinrich I. das Porzer Narrenvolk, unterstützt von seiner Deftigkeit, dem Bauern Peter (Schmitz) und ihrer Lieblichkeit, Jungfrau Ilse (Berger). Sein Vertreter im Amt des Präsidenten war ein junger Mann, der am 17. Februar 1953 zum ersten Mal eine Karnevalssitzung der Blau-Weißen leitete: Willi Keller. Und hiermit begann eine Erfolgsstory, die im Porzer Karneval ohne Beispiel ist, denn mehr als 52 Jahre lang war Willi Keller ohne Unterbrechung Präsident des heutigen Garde-Korps Köln und wäre es sicher noch viele Jahre geblieben, hätte ihn nicht 2005 der plötzliche Tod ereilt.

Ob man bereits vor dem 25-jährigen Jubiläum eine Vereinsfahne hatte, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Nun, 1953 war es soweit, die Fahne mit den Emblemen der Gesellschaft wurde unter Teilnahme aller Mitglieder und Gäste vom damaligen 
Gemeindepfarrer würdig geweiht. Bis heute ist diese Fahne in einem guten Zustand und bei allen Auftritten und Terminen des Korps dabei.

Der Aufbau geht weiter

Nach dieser gelungenen Jubiläumssession folgte dann doch ein wenig Ernüchterung. Anders ist das Protokoll einer „Außerordentlichen Monatsversammlung“ nicht zu deuten. Da wird etwas geheimnisvoll von „den Problemen der letzten Zeit“ gesprochen. Aber alle Schwierigkeiten wurden offensichtlich doch gemeistert, denn die Gesellschaft und insbesondere ihr Funkenkorps entwickelte sich prächtig weiter. Neben den Sitzungen und Kostümbällen während der Sessionen wurde eine Vielzahl von Veranstaltungen durchgeführt, wie die offensichtlich damals sehr beliebten Kirmesbälle oder die Strandfeste an der Groov. Allenfalls der manchmal etwas schwache Besuch der Mitgliederversammlungen machte den Verantwortlichen etwas Kopfzerbrechen, und so wurde das „Strafgeld“ für unentschuldigtes Fehlen, von dem hier schon die Rede war, auf 50 Pfennige erhöht.

Das Funkenkorps dehnte seine Aktivitäten auch auf das karnevalistische Umland aus. Im Jahre 1953 traten die Funken auf einer Sitzung im Ministerium für Landwirtschaft und Forsten in der Landeshauptstadt Düsseldorf auf, und als Krönung nahmen sie sogar am Düsseldorfer Rosenmontagszug teil.

Am 28. März 1954 wählten die Zündorfer Karnevalisten Lorenz Gasper zu ihrem neuen 1. Vorsitzenden. Nach zweijähriger Amtszeit übergab er am 15. April 1956 den Vorsitz an Rudi Kreutz. Die „auswärtigen Beziehungen“ wurden weiter ausgebaut und so trat das Funkenkorps in den 50er Jahren mehrfach in Welschen-Ennest (Sauerland) und in Meggen (ebenfalls im Sauerland) auf. Aber auch das Erscheinungsbild in der Heimat wurde aufpoliert.

Der Elferrat bekam 1958 neue „Elferratsröcke“. Gleich wurde dann auch noch – wenn man schon einmal bei der „Renovierung“ war – damit begonnen, einen neuen Elferratstisch samt Bühnendekoration unter der Leitung von Franz Kreutz anzufertigen. Das Funkenkorps vergaß man natürlich dabei nicht. Nach reiflicher Prüfung der Kassenlage schaffte die KG 1956 für alle Funken komplett neue Uniformen an. Besonders erwähnt wird in den Annalen die „Generalversammlung am 30. März 1957“. Lorenz Gasper hatte den Porzer Sonntagszug auf Zelluloid gebannt und führte zur Freude aller anwesenden Mitglieder diesen Film so quasi als Sessionsrückblick vor. So konnten sich die Funken erstmals auf der Leinwand bewundern.

Am 5. September 1959 beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die Gesellschaft in das Vereinsregister einzutragen. Von diesem Zeitpunkt an war man „e.V.“, ein eingetragener Verein. Auch das gehörte sicherlich zur notwendigen Weiterentwicklung einer Karnevalsgesellschaft.

Das Funkenkorps wird neu formiert

Anfang der 60er Jahre befand sich die 
Gesellschaft offensichtlich auf einer Durststrecke. Die Sitzungen waren zwar weiter erfolgreich, doch ist in den Protokollen immer wieder der schlechte Besuch von Versammlungen und teils auch von Publikumsveranstaltungen außerhalb der Session durch die Mitglieder erwähnt. Dies führte damals zu intensiven Gedanken darüber, wie man dieser Entwicklung begegnen könne. So notierte Schriftführer Fritz Feld zur Generalversammlung am 27. April 1963 ins Protokollbuch: „Antrag R. Biergans: Auflösung des Funkenkorps zwecks Neubildung. Antrag R. Kreutz: Ausschluss aus der Gesellschaft für diejenigen Korpsmitglieder, welche ihre Uniformen nach der Abschlusssitzung monatelang im Saale – Haus Keller – liegen ließen.“ Beide Anträge wurden von der Generalversammlung einstimmig angenommen.

 

Offensichtlich nahm eine Reihe von Mitgliedern ihre Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber auf die leichte Schulter. Anders kann man diesen Eintrag nicht verstehen. Harte Worte, die aber offensichtlich nötig waren und ihren Zweck nicht verfehlten, denn im Juli 1963 feierte die Gesellschaft voller Stolz ihr 10. Strandfest (wie immer mit der Wahl der Strandkönigin und dem persönlichen Erscheinen von „Vater Rhein“). Bei diesem Strandfest, so steht es im Protokoll, hatten sich insbesondere die jungen Vereinsmitglieder aktiv am Gelingen beteiligt. Für das neu formierte Funkenkorps wurden dann auch neue Uniformen angefertigt, und 
die Truppe war so begeistert, dass man sich auch mit einem Eigenanteil an den Kosten für die neuen „Wöbche“ beteiligte. In den folgenden Jahren erlebte das Funkenkorps wieder den erwarteten Auftrieb. Nach wie vor leitete Jakob Heller das Korps. So steht in einem Protokoll aus dem Jahre 1965: „Ein hohes Lob wurde den Funken ausgesprochen, die während der einzelnen Auftritte höchste Disziplin und Zuvorkommenheit im Verkehr mit der Bevölkerung aufbrachten.“ Im August 1966 trat der langjährige Kommandant Jakob Heller in den vorläufigen „Ruhestand“ und wurde zugleich zum Ehrenkommandanten ernannt. Sein Nachfolger war Willi Biergans. Von 1968 bis 1972 wurde Jakob Heller als Kommandant nochmals „reaktiviert“.

Aus der KG „Blau-Weiß Zündorf“ von 1928 e.V. wird die Prinzen-Garde Porz

 

Die folgenden Jahre hielten keine „herausragenden“ Ereignisse in den Protokollen fest. Allerdings hatten die “Blau-Weißen” seit dem Wegfall des Gesamt-Porzer Sonntagszuges einen eigenen Zündorfer Karnevalszug bis Anfang der 70er Jahre am Karnevalssonntag organisiert. Die Gesellschaft feierte ihre Sitzungen im kleinen, aber feinen Saal des Vereinslokals “Haus Keller”, und auch die Tradition des Kirmesfrühschoppens wurde weiter gepflegt. Nur das jährliche Strandfest entfiel, nachdem mehrere Jahre hintereinander das Wetter so schlecht gewesen war, dass die Veranstaltung im Saal stattfinden musste und damit ihren ursprünglichen Charakter einbüßte. Albert Haller übernahm das Amt des Kommandanten 1972.

 


Ein Jahr später, im Januar 1973, brachte die Gesellschaft den rheinischen Karneval an die Nordsee nach Cuxhaven und begeisterte die sonst als kühl bezeichneten Nordlichter. Eine besondere Ehre erfuhr die Gesellschaft am 12. Januar 1974: Der damalige Bürgermeister der selbständigen Stadt Porz, Alfred Moritz, überreichte die Ernennungsurkunde zur „Prinzen-Garde der Stadt Porz“. Ebenfalls im Jahr 1974 übernahm Willi Keller zusätzlich zum Amt des Präsidenten die Aufgabe des Vorsitzenden der Gesellschaft.

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